Wenn Menschen in meine Praxis kommen und mir erzählen, dass sie sich im Kreis drehen, immer wieder an dieselben Punkte stossen oder dass der Körper viel stärker reagiert als der Verstand es will... und dann höre ich oft einen Satz: „Ich habe so viel verstanden, aber es verändert sich einfach nichts.“
Genau an diesem Punkt kann EMDR hilfreich sein - eine therapeutische Methode, die es ermöglicht, belastende Erinnerungen sanft zu verarbeiten, ohne sie wieder und wieder durchkauen zu müssen.
Ich arbeite seit vielen Jahren mit Menschen, die schwierige oder schmerzhafte Erfahrungen gemacht haben. Vielleicht kommen Erinnerungen immer wieder hoch, unvermittelt, in Bildern, Gefühlen oder Körperreaktionen. Oder bestimmte Situationen lösen plötzliche Angst, Druck, Rückzug oder Erstarrung aus - ohne dass wir genau verstehen, warum. Es kann sein, dass solche Reaktionen Spuren eines unverarbeiteten Erlebens sind. Aber nicht immer geht es um das „eine grosse Trauma“. Oft sind es wiederkehrende Gefühle, unbewusste Überzeugungen oder tiefe sich wiederholende Muster, die sich durch das Leben ziehen. Und manchmal ist da einfach ein Erleben im Körper, das sich nicht beruhigen will, auch wenn der Kopf längst weiss: Es ist vorbei.
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing - eine Methode, die ursprünglich zur Behandlung von Traumafolgestörungen entwickelt wurde und heute bei vielen unterschiedlichen Themen erfolgreich eingesetzt wird. Dabei wird mit gezielten Augenbewegungen oder anderen bilateralen Reizen gearbeitet, während die belastende Erinnerung innerlich präsent gehalten wird.
Vielleicht fragen Sie sich, wie genau das funktioniert und ob das auch für Sie hilfreich sein könnte. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen EMDR näherbringen: was die Methode ausmacht, wie eine Sitzung abläuft und bei welchen Themen sie sinnvoll eingesetzt werden kann. Und vor allem: warum sie für viele Menschen eine Möglichkeit bietet, sich wieder freier, verbundener und innerlich ruhiger zu fühlen.
Was ist EMDR? - Eine Methode mit Bewegung und Wirkung
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing - auf Deutsch etwa: „Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen“. Klingt im ersten Moment vielleicht etwas technisch. Tatsächlich aber ist EMDR eine sehr sanfte, gut erforschte und inzwischen weit verbreitete Methode in der Traumatherapie. Sie wurde Ende der 1980er Jahre von der amerikanischen Psychologin Francine Shapiro entwickelt und hat seither unzähligen Menschen geholfen, belastende Erfahrungen nachhaltig zu verarbeiten.
Im Zentrum von EMDR steht eine erstaunlich einfache Beobachtung: Wenn wir gleichzeitig mit beiden Gehirnhälften arbeiten, z. B. durch Augenbewegungen oder rhythmische Reize links und rechts (Klopfen, Töne etc.), unterstützt das den natürlichen Verarbeitungsprozess unseres Gehirns. Das, was sich im Erleben „festgehakt“ hat, bekommt eine neue Möglichkeit, sich zu sortieren und einzuordnen.
Stellen Sie sich vor, eine belastende Erinnerung ist wie eine eingefrorene Szene mit all ihren Emotionen, Körperempfindungen und Gedanken. Diese Szene bleibt oft isoliert im Erleben hängen. Durch EMDR wird sie in einem sicheren therapeutischen Rahmen aktiviert während das Gehirn gleichzeitig durch die bilateralen Reize angeregt wird, sie zu „verstoffwechseln“. Viele Menschen berichten danach von innerer Erleichterung, emotionaler Distanz oder dem Gefühl, dass „etwas abgeschlossen ist“.
Was EMDR nicht ist: eine Rückführung oder eine Konfrontationstherapie im klassischen Sinn. Sie müssen nicht alles erzählen, nicht alles benennen, nicht alles noch einmal durchleben. Die Methode wirkt auch dann, wenn Inhalte eher bildhaft, körperlich oder vage auftauchen.
EMDR ist wissenschaftlich gut untersucht, u. a. bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), Ängsten, Phobien, chronischen Schuld- oder Schamgefühlen sowie nach belastenden Lebensereignissen. Immer mehr zeigt sich, dass EMDR auch bei inneren Blockaden oder tiefsitzenden negativen Glaubenssätzen hilfreich sein kann. EMDR ist heute eine der am besten erforschten Methoden zur Behandlung traumatischer Belastungen und das nicht nur in der psychotherapeutischen Praxis, sondern auch in der wissenschaftlichen Literatur. Bereits 2013 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) EMDR in ihre Leitlinien zur Behandlung von Traumafolgestörungen aufgenommen - als wissenschaftlich empfohlene Methode, gleichwertig zu kognitiver Verhaltenstherapie. Auch die amerikanische Psychologenvereinigung (APA) sowie die internationalen Fachgesellschaften für Psychotraumatologie (z. B. ESTSS, ISSTD) führen EMDR als evidenzbasierte Behandlungsmethode.
In meiner Praxis nutze ich EMDR als Teil eines ganzheitlichen therapeutischen Prozesses - eingebettet in Stabilisierung, Ressourcenarbeit und Integration. Denn so kraftvoll EMDR ist, so wichtig ist auch das richtige Timing, ein sicherer Rahmen und die Verbindung zu Ihnen als Mensch.
Das AIP-Modell - Warum EMDR wirkt
Die Grundlage von EMDR bildet das sogenannte AIP-Modell. Das steht für Adaptive Informationsverarbeitung. Dahinter steckt die Annahme, dass unser Gehirn in der Lage ist, belastende Erfahrungen zu verarbeiten und sinnvoll zu integrieren, wenn alles gut funktioniert. So wie ein physischer Schnitt heilt, heilt auch seelisches Erleben - normalerweise.
Manchmal jedoch ist eine Erfahrung so überwältigend, dass das Gehirn sie nicht vollständig verarbeiten kann. Dann bleibt die Erinnerung „eingefroren“, mitsamt allen zugehörigen Bildern, Emotionen, Körperempfindungen und Gedanken. Diese unverarbeiteten „Inseln“ im Nervensystem können später durch scheinbar harmlose Reize wieder aktiviert werden und wir reagieren plötzlich so, als wären wir wieder mitten im damaligen Geschehen.
EMDR setzt genau hier an: Durch die bilaterale Stimulation (z. B. Augenbewegungen) wird der natürliche Verarbeitungsprozess des Gehirns angeregt. Das Erlebte kann sich neu sortieren, emotional entkoppelt und sinnvoll in die persönliche Lebensgeschichte integriert werden.
Kurz gesagt: EMDR hilft dem Gehirn, das nachzuholen, was damals nicht möglich war.
Wie läuft eine EMDR-Sitzung ab?
Eine Sitzung folgt einer bestimmten Struktur, gleichzeitig wird sie immer individuell angepasst. Denn jeder Mensch bringt eine andere Geschichte, ein anderes Tempo und unterschiedliche Bedürfnisse mit. Besonders in der Traumatherapie ist es mir wichtig, dass nichts überfordert oder zu schnell geht. EMDR ist kein „Durchlaufprogramm“, sondern ein Prozess, der achtsam vorbereitet und gut eingebettet sein will.
Bevor EMDR überhaupt zum Einsatz kommt, steht immer die Stabilisierungsphase im Vordergrund: Wir schauen gemeinsam, ob ausreichend innere Sicherheit und Ressourcen vorhanden sind. Welche inneren und äusseren Stützen haben Sie? Wie gehen Sie aktuell mit Stress um? Welche Strategien helfen Ihnen, sich zu regulieren? Ich zeige Ihnen bei Bedarf bestimmte Übungen, Techniken und Methoden zur Stabilisierung und Entspannung (z.B. Imagination innerer sicherer Ort, die 5-4-3-2-1-Übung oder diverse Atemübungen, wie Atemzüge zählen). Erst wenn sich ein gewisses Mass an Stabilität zeigt und Sie sich sicher genug fühlen, wird EMDR in Erwägung gezogen.
Die eigentliche Sitzung beginnt meist damit, dass ein belastendes Erlebnis oder eine innere Szene ausgewählt wird, die „noch etwas macht“. Dazu gehören meist auch Gedanken (z. B. „Ich bin machtlos“) und Gefühle (z. B. Angst, Scham, Wut) sowie körperliche Empfindungen.
Dann beginnt die bilaterale Stimulation - oft in Form von geführten Augenbewegungen: Ihre Augen folgen sanft den Fingern oder einem Lichtpunkt, der sich von links nach rechts bewegt. Alternativ kann auch mit Klopfreizen oder akustischen Impulsen gearbeitet werden. Währenddessen bleiben Sie in Kontakt mit der inneren Szene, aber nicht „gefangen“ in ihr. Ihre Gedanken, Bilder oder Körperwahrnehmungen dürfen frei auftauchen, sich verändern, weiterbewegen. Ich begleite diesen Prozess und halte den Rahmen.
Zwischen den einzelnen Stimulationsdurchgängen gibt es immer wieder kleine Pausen. Wir schauen gemeinsam, was sich innerlich, körperlich und gedanklich verändert hat. Manchmal tauchen neue Aspekte auf, manchmal entsteht ein Gefühl von Distanz oder Erleichterung. Und manchmal zeigt sich etwas völlig Unerwartetes - auch das darf sein.
Am Ende der Sitzung steht die Integration: Wir schauen, was bleibt, was sich gelöst hat, was vielleicht noch Raum braucht. Und vor allem: Was Sie jetzt brauchen, um gut wieder im Hier und Jetzt anzukommen.

Wobei kann EMDR helfen?
EMDR wurde ursprünglich zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) entwickelt, also für Menschen, die nach einem oder mehreren überwältigenden Ereignissen immer wieder unter Flashbacks, Albträumen, Ängsten oder emotionaler Taubheit leiden. Inzwischen wird EMDR aber auch bei vielen anderen psychischen Belastungen erfolgreich eingesetzt.
Die Methode eignet sich besonders dann, wenn Erlebnisse im Inneren „nicht richtig verarbeitet“ wurden und sich wiederholt in Gedanken, Gefühlen oder Körperreaktionen aufdrängen.
Erfahrungen aus der therapeutischen Praxis und viele Studien zeigen, dass EMDR unter anderem hilfreich sein kann bei:
- akuten und zurückliegenden Traumata (z. B. Unfälle, Gewalt, medizinische Eingriffe, Trennungserfahrungen)
- Kindheitserlebnissen, die sich tief eingeprägt haben (z. B. emotionale Vernachlässigung, Bindungsverletzungen)
- Ängsten und Phobien (z. B. Prüfungsangst, soziale Ängste, Fahrangst)
- Panikattacken
- Schuld- und Schamgefühlen, die sich festgesetzt haben
- chronischem Stress oder innerem Druck
- negativen Glaubenssätzen, wie z. B. „Ich bin nicht gut genug“, „Ich bin schuld“, „Ich darf keine Schwäche zeigen“
- inneren Blockaden, die nicht durch „Nachdenken“ lösbar sind
EMDR kann manchmal als zentrales Element, manchmal als ergänzendes Werkzeug, wenn sich ein bestimmter „innerer Knoten“ zeigt, eingesetzt werden. Auch bei Menschen, die bereits viel reflektiert und „verstanden“ haben, aber das Gefühl haben, dass sich auf emotionaler Ebene nichts wirklich verändert, kann EMDR eine wertvolle Unterstützung sein.
Wichtig ist: EMDR ersetzt nicht die therapeutische Beziehung, sondern wirkt innerhalb einer tragenden, sicheren Verbindung.
Und: EMDR wird häufig mit der Behandlung von Traumata in Verbindung gebracht. Doch viele belastende Erfahrungen, die unseren Alltag beeinflussen, müssen nicht „klassische Traumata“ sein, um tief in uns nachzuwirken. Es muss kein „grosses Trauma“ vorliegen. Auch kleinere, aber prägende Erfahrungen können mit EMDR behutsam bearbeitet werden. Die Methode kann in solchen Fällen helfen, das Erlebte neu einzuordnen, emotionale Verknüpfungen zu lösen und die eigene Geschichte mit mehr innerer Klarheit und Selbstmitgefühl zu betrachten. Gerade dann, wenn sich Gedanken oder Gefühle immer wieder aufdrängen oder wenn ein Teil in uns einfach nicht „weiterkommt“, kann EMDR ein sanfter Impuls sein, der Bewegung ermöglicht.
Was EMDR nicht ist - Mythen & Missverständnisse
Je bekannter eine Methode wird, desto mehr Halbwissen oder Unsicherheiten entstehen rund um ihre Anwendung. Vielleicht haben Sie auch schon Sätze gehört wie: „Da wedelt jemand mit den Fingern, und dann ist alles weg.“ Oder: „Das ist doch nur Placebo, oder?“ Hier ein paar häufige Mythen über EMDR - und was wirklich dahinter steckt:
„Ich muss alles erzählen, sonst funktioniert es nicht.“
Nein. Sie müssen nicht jedes Detail schildern oder das Erlebte ausführlich beschreiben. Die Methode wirkt auch dann, wenn Sie innerlich mit der Erfahrung in Kontakt sind, ohne sie verbalisieren zu müssen. Das kann besonders bei Scham- oder Schuldthemen sehr entlastend sein.
„Ich verliere dabei die Kontrolle.“
Nein. Sie bleiben während der gesamten Sitzung präsent, ansprechbar und in Ihrem Tempo unterwegs. EMDR ist keine Hypnose. Sie entscheiden jederzeit, wie weit Sie gehen möchten und was sich richtig anfühlt.
„Das ist doch irgendwie Hokuspokus.“
Es klingt für manche ungewöhnlich, gerade wegen der Augenbewegungen. Doch die Methode ist wissenschaftlich gut fundiert und weltweit anerkannt. Die bilaterale Stimulation aktiviert nachweislich die Verarbeitungsmechanismen im Gehirn. Was nach aussen simpel wirkt, ist neurologisch hoch wirksam.
„Es funktioniert bei jedem sofort.“
Nicht unbedingt. EMDR ist kein Wunderwerkzeug, sondern ein Prozess. Bei manchen Menschen wirkt es schnell und spürbar, bei anderen braucht es mehrere Sitzungen oder zusätzliche Stabilisierung. Manche Erfahrungen lösen sich relativ rasch, andere brauchen Zeit. Die Methode wirkt nicht isoliert: sie braucht einen geschützten Rahmen, ein gewisses Mass an innerer Stabilität und Ressourcen, sowie die Bereitschaft, sich dem eigenen Erleben achtsam zuzuwenden.
Besonders wichtig ist mir: EMDR funktioniert nicht gegen Sie, sondern mit Ihnen. Ich arbeite niemals konfrontativ oder nach starren Protokollen. Es braucht keine „Durchbrüche“ oder emotionalen Zusammenbrüche, um Veränderung zu ermöglichen. Viel heilsamer ist oft das behutsame, respektvolle Annähern, genau in dem Tempo, das Ihr System zulässt.
Nicht in jeder Phase des Lebens ist EMDR automatisch die passende Methode. Bei akuten Krisen, schwerer Dissoziation, ungeklärter Medikation oder wenn grundlegende Stabilität fehlt, kann es sein, dass zunächst andere therapeutische Schritte Vorrang haben, z. B. die Arbeit an Selbstregulation, innerer Sicherheit oder Ressourcenstärkung. In solchen Fällen spreche ich das offen an, und wir entscheiden gemeinsam, was gerade hilfreich und sinnvoll ist.
Was es braucht, ist vor allem: eine tragende Beziehung, Vertrauen, Bereitschaft und einen sicheren inneren Boden, auf dem wir arbeiten können. Diesen Boden bauen wir Schritt für Schritt gemeinsam auf.
Ressourcen verankern - das Gute spürbar machen
EMDR ist nicht nur dafür da, Schmerz zu verarbeiten, sondern auch dafür, Ressourcen zu stärken. In der traumasensiblen Arbeit ist es oft genauso wichtig, positive Erfahrungen, innere Kraftquellen und stärkende Bilder bewusst zu verankern, damit sie im Alltag leichter zugänglich werden.
Diese Form der „positiven bilateralen Stimulation“ ist ein eigenständiger Teil dieser Methode und wird oft auch begleitend zur Stabilisierung eingesetzt. Das kann z.B. bedeuten: eine Situation, in der Sie sich sicher, geliebt, kompetent oder kraftvoll gefühlt haben, bewusst aufzurufen und mit EMDR zu vertiefen. Dadurch wird nicht nur das Erinnerungsbild gestärkt, sondern auch die emotionale Verbindung dazu im Nervensystem gefestigt.
Solche Ressourcenverankerungen sind besonders wertvoll, wenn die innere Stabilität noch fragil ist oder wenn es darum geht, neue Erfahrungen nicht nur „zu denken“, sondern auch zu spüren und zu speichern. Es entsteht ein innerer Anker, auf den Sie im Alltag zurückgreifen können.
Für mich gehört diese Arbeit mit Ressourcen genauso zur EMDR-Therapie wie die Verarbeitung von Belastungen. Denn Heilung bedeutet nicht nur, dass der Schmerz weniger wird, sondern auch, dass die Freude, die Kraft, die Selbstverbundenheit wieder spürbarer werden dürfen.
EMDR ist nicht gleich EMDR - Warum die fachliche Qualifikation entscheidend ist
In den letzten Jahren ist EMDR als Methode bekannter geworden und das ist auf den ersten Blick erfreulich. Leider führt diese wachsende Bekanntheit aber auch dazu, dass sie zunehmend ausserhalb des psychotherapeutischen Rahmens angeboten wird - etwa von Coaches, Heilpraktiker*innen oder Berater*innen, die zwar mit dem Namen „EMDR“ arbeiten, aber nicht über eine fundierte psychotherapeutische Ausbildung verfügen.
Das Problem dabei: Es ist nicht einfach eine „Technik“ mit Augenbewegungen, sondern eine tiefgreifende therapeutische Methode, die in einen sicheren, traumasensiblen Prozess eingebettet sein muss. Wer EMDR anwendet, sollte nicht nur wissen, wie bilaterale Stimulation funktioniert, sondern auch, wie man mit Dissoziation, Überwältigung, Flashbacks oder alten Schutzstrategien umgeht. Und vor allem: wie man erkennt, wann es nicht angezeigt ist.
Ich halte es daher für ausgesprochen wichtig, auch im Sinne des Schutzes von Klient*innen, dass EMDR ausschliesslich von ausgebildeten Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen mit therapeutischer Weiterbildung oder Ärzt*innen mit entsprechender Zusatzqualifikation angewendet wird. Oder dass Menschen, die mit EMDR arbeiten, zumindest über eine umfassende therapeutische Haltung, Prozesskompetenz und gute Selbsterfahrung verfügen.
Es ist mir ein persönliches Anliegen, hier Klarheit zu schaffen. Nicht, weil ich andere Ansätze abwerten möchte, sondern weil ich weiss, wie verletzlich, durchlässig und offen Menschen oft sind, wenn sie sich auf therapeutische Prozesse einlassen und wie wichtig es ist, dass sie dabei gut gehalten, fachlich korrekt begleitet und nicht (ungewollt) retraumatisiert werden.
Wenn Sie sich für eine EMDR-Therapie interessieren, empfehle ich Ihnen, genau hinzuschauen, wer die Methode anbietet und ob dort tatsächlich eine fundierte therapeutische Qualifikation vorhanden ist. Denn bei aller Wirksamkeit: Diese Methode ist ein mächtiges Werkzeug. Und jedes Werkzeug braucht eine verantwortungsbewusste Hand.

Meine Erfahrung mit EMDR in der Praxis
EMDR ist für mich weit mehr als eine blosse Technik. Es ist ein kraftvolles Werkzeug, das im richtigen Moment tiefgreifende Veränderungen ermöglichen kann. Ich bin von der Wirksamkeit und Effektivität dieser Methode überzeugt, nicht zuletzt durch meine eigene Erfahrung während der Ausbildung, in der ich EMDR selbst erleben durfte. Dabei war ich beeindruckt, wie nachhaltig, tief und zugleich getragen sich die Wirkung anfühlte. Seitdem begleite ich in meiner Praxis zahlreiche Menschen durch ihre individuellen Erlebnisse, Belastungen oder Traumatisierungen.
Was mich an dieser Methode besonders fasziniert, ist seine Tiefe und zugleich seine Einfachheit. Die Methode bringt oft auf eine sehr direkte, fast körperlich spürbare Weise etwas in Bewegung, was sich mit Worten allein nur schwer greifen lässt. Nicht selten zeigt sich ein Wandel dort, wo zuvor lange Stillstand oder festgefahrene Muster waren. Auf eine Weise, die innerlich weiterwirkt.
Ich schätze an EMDR, dass es nicht drängt, sondern begleitet. Dass es keine Überforderung braucht, keine vollständige Erinnerung, keine detaillierte Konfrontation, kein Wieder-Durchleben. Dass es Raum lässt für das, was auftauchen möchte und gleichzeitig Halt bietet, wenn etwas zu viel wird. Und ich erlebe immer wieder, wie sehr Menschen davon profitieren, wenn etwas, das lange „blockiert“ war, endlich in Bewegung kommen darf.
In meine Arbeit integriere ich EMDR meist in Kombination mit anderen therapeutischen Elementen, z. B. Ego-State-Arbeit, Imaginationen, Achtsamkeit, körperorientierter Stabilisierung oder innerer Kind-Arbeit. Die Methode fügt sich wie ein Puzzlestück in ein grösseres Ganzes ein. Ich arbeite nicht nach „Schema F“, sondern orientiere mich immer an dem Menschen, der mir gegenübersitzt, mit all seiner Geschichte, Würde, Verletzlichkeit und Stärke.
Nicht selten höre ich nach einer Sitzung Sätze wie:
„Ich fühle mich leichter.“
„Da hat sich wirklich etwas verändert.“
„Es ist immer noch da, aber es fühlt sich nicht mehr bedrohlich an.“
„Ich glaube es kaum, dass dieses Erlebnis gar nichts mehr in mir auslöst.“
Für mich ist das genau das Ziel: Innere Bewegung ermöglichen und Selbstverbindung stärken. Und dafür ist es ein wunderbares Werkzeug.
Ist EMDR das Richtige für mich?
Vielleicht sind Sie sich unsicher, ob EMDR überhaupt zu Ihnen passt. Vielleicht haben Sie schon vieles ausprobiert. Oder noch gar nichts. Oder Sie haben das Gefühl, dass Reden allein nicht (mehr) ausreicht.
EMDR kann dann sinnvoll sein, wenn sich etwas in Ihrem Inneren immer wiederholt, festgefahren oder blockiert anfühlt - selbst wenn Sie rational längst verstanden haben, worum es geht. Vielleicht kreisen Ihre Gedanken um ein bestimmtes Erlebnis oder Gefühl. Vielleicht tauchen immer wieder dieselben Sätze auf: „Ich bin schuld.“, „Ich bin nicht genug.“, „Ich darf keine Schwäche zeigen.“ Vielleicht gibt es Momente, in denen Sie sich emotional überrollt fühlen oder gar nichts mehr spüren.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass…
- …Ihre Reaktionen manchmal „übertrieben“ wirken, aber sich innerlich ganz real anfühlen
- …Sie über ein bestimmtes Erlebnis oder eine Erinnerung nicht hinwegkommen
- …alte Verletzungen in aktuellen Beziehungen oder Situationen immer wieder mitschwingen
- …Sie emotional taub oder abgeschnitten wirken (und das eigentlich nicht wollen)
- …Sie ständig angespannt, erschöpft oder „innerlich auf der Hut“ sind
…dann könnte EMDR ein möglicher Weg sein, sich dem vorsichtig zu nähern.
Nicht jeder Mensch braucht EMDR, aber jeder Mensch verdient es, sich selbst ernst zu nehmen. Und manchmal genügt schon ein erstes Gespräch, um gemeinsam herauszufinden, ob EMDR für Sie ein passender Schritt sein kann oder ob ein anderer Weg gerade hilfreicher ist.
Es braucht nicht den „richtigen Zeitpunkt“. Es braucht nur den Moment, in dem Sie spüren: Jetzt möchte ich etwas in Bewegung bringen.
Kontakt & erste Schritte - EMDR in meiner Praxis
Wenn Sie sich von diesem Text angesprochen fühlen, dann lade ich Sie herzlich ein, mit mir in Kontakt zu treten.
Ein erstes Gespräch bietet die Möglichkeit, einander kennenzulernen, offene Fragen zu klären und gemeinsam zu schauen, ob und wie EMDR in Ihrem individuellen Prozess hilfreich sein könnte.
Sie müssen noch nichts wissen, nichts entscheiden, nichts vorbereiten. Es genügt, sich selbst ernst zu nehmen und vielleicht diesem Wunsch nach innerer Bewegung, nach Erleichterung, nach mehr Verbindung zu sich selbst Raum zu geben.
Das Erstgespräch kann persönlich in meiner Praxis stattfinden. Wir klären dabei ganz in Ruhe den Rahmen, Ihre Themen und was Sie brauchen, um sich sicher begleitet zu fühlen.
Ich freue mich darauf, Sie ein Stück zu begleiten - mit tiefen Respekt für Ihre Geschichte und Ihren Mut, sich auf den Weg zu machen.
